Eigenen TV-Streamingservice starten (nur für private Nutzung)

SAT>IP-Titelbild

In vielen Mietwohnungen ist es nicht erlaubt, Satellitenanlagen anzubringen oder es steht nur ein Anschluss pro Wohnung zur Verfügung. Wer also in mehreren Zimmern fernsehen oder sich die teils überteuerten Kabelgebühren sparen möchte, kann von folgender Anleitung Gebrauch machen. Oftmals stehen einige Sender im Kabelnetz auch gar nicht zur Verfügung, deren Programm man verfolgen möchte.

Doch auch, wenn man unterwegs ohne Abo bei einem kommerziellen IPTV-Service wie Zattoo oder waipu.tv live fernsehen möchte, kann ein eigener TV-Streamingdienst hilfreich sein.

Im Auslandsurlaub steht oft kein deutsches Fernsehprogramm zur Verfügung. Wer aber auch dort nicht auf die deutsche TV-Sendervielfalt verzichten möchte, ist mit einem eigenen TV-Streamingservice gut beraten, denn die meisten deutschen Rundfunkanstalten bieten für Zuschauer im Ausland keinen Stream ihrer Programme auf ihren Webseiten an.

Und das Ganze ist einfacher als man zunächst vermutet. Dafür sind keine komplexen technischen Basteleien notwendig.

Welche Voraussetzungen für die Einrichtung eines TV-Streamingdienstes erfüllt sein müssen, hängt ganz davon ab, für welche Zwecke man diesen einsetzen möchte. In jedem Fall ist ein Router mit Ethernet-Anschluss (sollte mindestens ein 100 MBit/s-Ethernet-Anschluss sein) und dazu ein Ethernet-Kabel notwendig. Wenn der Dienst nur innerhalb des eigenen Heimnetzwerks verfügbar sein soll, dann ist es egal, wie schnell die Internetverbindung ist oder ob der Router überhaupt mit dem Internet verbunden ist. Ansonsten sollte man für das Streamen von SD-Fernsehen mindestens 10 MBit/s im Upload, für HD-Sender 20 MBit/s im Upload und für UHD-Sender mindestens 30 MBit/s im Upload erreichen. Ein schneller Upload ist also Pflicht. Empfehlenswert ist ein Upload von 50 MBit/s, um wirklich sicher zu gehen, dass keine Lags auftreten. Was natürlich auch keinesfalls fehlen darf, ist eine korrekt ausgerichtete Satellitenanlage, von der man das TV-Signal erhält, das man dann über das Heimnetz oder das Internet weiterverbreitet. Und zu guter Letzt benötigt man noch den SAT>IP-Server selbst, der einen Satellitentuner verbaut hat und der das empfangene Bild- und Ton-Material über das Netzwerk weiterverbreitet. Achtung: Da sich der SAT>IP-Server in der Nähe eines (oder mehrerer) Anschlüsse an die Satellitenanlage befinden muss und dort womöglich kein Ethernet-Kabel verlegt ist, empfiehlt sich die Verwendung von Powerline-Adaptern. Außerdem wird für den Betrieb des Servers eine Stromquelle benötigt.

Ein SAT>IP-Server muss nicht mühsam selbst zusammengebaut werden. Sicher ist das auch mit einem TV-Adapter und einem Computer möglich. In diesem Artikel möchte ich mich allerdings zunächst auf die einfachere Methode beschränken. Bei der Wahl des richtigen SAT>IP-Servers gibt es kein allgemeines “Richtig” oder “Falsch”. Jeder muss hierbei selbst für sich entscheiden, welcher SAT>IP-Server der Richtige für ihn/sie ist. Einige Kriterien, nach denen man hierbei entscheiden kann sind beispielsweise die Anzahl der Nutzer, die vom Server parallel streamen möchten oder ob der Server auch DVB-S2 statt nur DVB-S (auch HD und UHD-Sender statt nur SD-Sender) unterstützen soll. Außerdem sollte man auf den Stromverbrauch des Servers achten, da dieser in der Regel 24 Stunden am Tag läuft, damit jederzeit darauf zugegriffen werden kann. Für die meisten wird zudem auch der Preis eine wichtige Rolle spielen. Grundsätzlich sollte man aber immer auf Erfahrungsberichte anderer Käufer achten, denn es macht keinen Spaß, wenn das Bild während eines Spielfilmes mehrfach einfriert und der Server manuell neu gestartet werden muss. In der Anzahl der parallelen Nutzer existieren (für den privaten Gebrauch!) kaum Einschränkungen. Manche SAT>IP-Receiver, wie zum Beispiel der XORO SAT>IP Server 8100 unterstützen gleichzeitig bis zu acht angeschlossene Teilnehmer. Ich selbst nutze den Telestar Digibit Twin als B-Ware (voll funktionsfähig, aber günstiger, da B-Ware). Dieser unterstützt bis zu zwei parallele Streams und UltraHD-Fernsehen. Aber Achtung: für jeden im SAT>IP-Server verbauten Tuner (und damit in der Regel jeden vom Server ausgehenden Stream ist auch ein eigener Anschluss am LNB notwendig, also ein eigenes Koaxialkabel. Schließe ich an meinen Digibit Twin mit zwei eingebauten DVB-S2-Tunern nur ein Koaxialkabel an, so ist dieser zwar trotzdem funktionstüchtig, aber ich kann nur auf einem Gerät gleichzeitig streamen.

Screenshot von SAT>IP SDK
(1) SAT>IP SDK (Klicken zum Vergrößern)

Kommen wir nun zur wichtigsten Frage: Wie kommen Bild und Ton nun bis auf den Monitor und in die Lautsprecher? Dafür gibt es ganz unterschiedliche Methoden. Meine persönliche Empfehlung besteht darin, die SAT>IP SDK auf Android oder die Geniatech SAT>IP App auf iOS zu verwenden. Da das gestreamte Live-Programm nichts anderem als einem einfachen RTSP-Stream entspricht, können auch beliebige andere Video-Player verwendet werden, die .m3u-Playlists und Livestreaming unterstützen wie beispielsweise der VLC-Player. Für diese Player und die SAT>IP-SDK sind sogenannte .m3u-Playlists notwendig. Diese Playlists enthalten die Daten über alle darin gespeicherten TV-Kanäle. Diese Daten werden an den Server gesendet, damit diesem bekannt ist, auf welcher Frequenz, unter welcher Polarisation, etc. der Sender empfangen werden kann. Eine .m3u-Playlist für den Satelliten Astra 19.2° Ost findest du hier:

Bitte beachte, dass du [ip_adresse_des_SAT>IP_Servers] durch die entsprechende IP-Adresse ersetzt. Wie lässt sich diese ermitteln? Nutze dazu einfach einen Netzwerkscanner (um legal zu bleiben, solltest du diesen nur in Netzwerken einsetzen, in denen du dazu autorisiert bist, also wenn das Netzwerk dir selbst gehört oder dir die Erlaubnis erteilt wurde). Einen meiner Meinung nach guten Netzwerkscanner für Android findest du hier. Tippe zum Scannen des Netzwerks einfach auf die Lupe in der oberen rechten Ecke. Anschließend werden dir alle Geräte im selben Netzwerk angezeigt.

(2) Netzwerk-Scan (Klicken zum Vergrößern)

An erster Stelle findest du in der Regel das Gateway zum Internet, also deinen Router. In meinem Fall hat der SAT>IP-Server leider keinen Hostnamen im lokalen Netzwerk. Wenn das der Fall ist, dann gestaltet es sich eher schwierig, ihn von anderen Geräten im Netzwerk zu unterscheiden. Einfache Abhilfe: Einen Scan vor und einen Scan nach Verbinden des Servers mit dem eigenen Netzwerk starten und schauen, welches Gerät neu dazugekommen ist.

Am PC bzw. Laptop empfehle ich die Software “DVB Viewer”. Ebenso ist natürlich wieder die Wiedergabe über VLC oder andere m3u-fähige Player möglich. Beim VLC-Player stellte ich allerdings des öfteren (zumindest mit meinem Digibit Twin) fest, dass sich der Server ab und zu aufhing, wenn ich das Programm wechseln wollte. Das ist natürlich ärgerlich, kann aber auch meinem individuellen Setup geschuldet sein (langsame Verbindung zum Router über Powerline). Der für mich entscheidende Vorteil von DVB Viewer: Die Software ermöglicht einen Sendersuchlauf, sodass man die eigene Senderliste einfach aktuell halten kann. Leider kann man diese Senderliste nicht als .m3u-Liste exportieren, um sie auch mit anderen Playern nutzen zu können. Die Lite-Version des DVB-Viewer kann nämlich immer nur maximal eine Stunde am Stück genutzt werden.

Auf der offiziellen SAT>IP-Webseite findest du noch einmal eine Übersicht über geeignete Software.

SAT>IP-Playlist (Klicken zum Vergrößern)

Eine bestehende Playlist, wie du sie oben herunterladen kannst, lässt sich einfach nach dem bestehenden Muster erweitern. Auch neue Playlists können nach diesem Muster erstellt werden. Dazu muss die m3u-Playlist einfach in einem Text-Editor geöffnet werden. Das in diesem Absatz eingefügte Bild zeigt, wie eine solche Playlist aussehen kann. Ein Programm, das solche Playlists automatisch erstellt, ist mir leider nicht bekannt.

Informationen zu den einzelnen PIDs aus Bild 3 findest du hier. Die Begriffe erscheinen vielleicht im ersten Moment ziemlich zahlreich, allerdings benötigt man für die Erstellung einer m3u-Playlist keinerlei Vorkenntnisse. Alle Daten zu jedem Sender kann man nämlich jederzeit auf satindex.de nachschlagen. Diese Seite ist sehr umfangreich und wird ständig aktuell gehalten.

Auf dieser Seite habe ich euch mal ein Python-Skript hinterlassen, mit dem ihr eine aus dem DVBViewer generierte Senderliste einfach in eine .m3u-Playlist umwandeln könnt. Da ihr mit dem DVBViewer ganz komfortabel einen automatischen Suchlauf durchführen könnt und die enstandene Senderliste einfach per Drag-and-Drop umsortieren könnt, erleichtert euch das die Erstellung einer neuen Senderliste enorm.

Bringt man den Server ohne weitere Maßnahmen einfach so ins Internet, so ist Vorsicht geboten! Unter Umständen begeht man dann nämlich eine Urheberrechtsverletzung, weil theoretisch Menschen aus aller Welt auf den Server zugreifen und darüber TV-Kanäle streamen können. Es hat allerdings seine Gründe, warum deutsche Fernsehsender beispielsweise offiziell nur über deutsche IP-Adressen gestreamt werden können. Daher empfiehlt sich immer ein verschlüsselter Fernzugriff auf den Server, zum Beispiel über einen VPN-Zugang oder indem man den Server mit Zugangsdaten absichert. Mein Digibit Twin lässt sich nicht so einfach durch ein Passwort schützen, weshalb für mich nur ein VPN in Frage kommt. Aber was ist ein “VPN” überhaupt, wie verwendet man es und wie erstellt man einen VPN-Zugang? Diese Fragen beantworte ich in diesem Artikel.

Diese Frage lässt sich ganz klar mit “Ja!” beantworten. SAT>IP-Streams lassen sich auf unterschiedlichsten Geräten mit unterschiedlichster Software abspielen. Daher sind auch viele Player mit Aufnahmefunktion mit den Streams kompatibel. Einer davon ist der schon häufig erwähnte VLC-Player. Auch über den DVB-Viewer sind Aufnahmen möglich. Schauen wir uns das Aufnahme-Feature aber im VLC-Player an. Um die Aufnahmefunktion im VLC-Player überhaupt erst zu aktivieren, gehe wie folgt vor:

  • Aktiviere in der Menüleiste unter “Ansicht” den Punkt “Erweiterte Steuerung”
  • Dies fügt einen neuen Button für die Aufnahme hinzu (siehe Bild)
(Klicken zum Vergrößern)
  • Bevor die Aufnahme gestartet werden sollte, gehe in der Menüleiste unter “Werkzeuge” auf “Eingabe/Codecs” und gebe den Pfad an, unter dem alle Aufnahmen gespeichert werden sollen
  • Anschließend lässt sich die Aufnahme direkt im Player mit dem roten Aufnahme-Button starten und ebenso einfach wieder beenden.
  • Der aufgenommene Clip wird dann als .ts-Datei gespeichert
  • Um die .m3u-Playlist überhaupt erst zu starten, öffne den VLC-Player und ziehe die Playlist per Drag-and-Drop einfach in den Player
  • nun ist soweit alles Nötige eingerichtet, viel Spaß beim Aufnehmen und Fernsehen! 🙂
Drag-and-Drop

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